Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

capu-friends
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Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von capu-friends » So 25. Apr 2021, 18:21

"Der Schutz von Infektionen und damit einhergehende Maßnahmen basieren in Deutschland nicht nur auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern sind zunehmend Spielball politischer Abwägungen und von Interessenskonflikten. In Deutschland können während der Pandemie Waffen und Autos produziert werden, laufen Großraumbüros weiter als sei nichts passiert, werden auf Druck der Wirtschaft Lockerungen umgesetzt, auch wenn diese der Bekämpfung der Pandemie entgegenlaufen."

In der obigen Analyse sind wir uns mit dem Kulturkosmos weitestgehend einig. Auch wir kritisieren die bisherige Pandemiepolitik, ohne uns dabei mit rechten Coronaleugner*innen gemein zu machen. Auch wir würden gerne mal wieder feiern und haben uns als langjährige Fusionist*innen, sowohl als Gäste als auch als Crew, auf die Fusion gefreut.

Hier hören die Gemeinsamkeiten leider auf. Schon in den letzten Jahren hat die Fusion immer wieder den Spagat geübt zwischen kapitalistischem Event und linker Utopie. Rigide Einlasspolitik, Zäune noch und nöcher und auch ein vielschichtiges Klassensystem im Backstage haben uns immer wieder am linken Anspruch zweifeln lassen. Einige Crews haben deswegen die Fusion ja auch verlassen...

Auch wir halten Kultur für relevant, aber wir wollen keine Fusion um jeden (gesellschaftspolitischen) Preis.

Das diesjährige Corona-Konzept der Fusion inklusive personalisierter Testung und digitaler Kontaktverfolgung ist für uns ein offener Bruch - mehr als nur eine hinnehmbare Steigerung von Kontroll-Optimierungs-Entwicklungen, die wir die letzten Jahre schon beobachten konnten. Eine Teilnahme basierend auf PCR-Tests sowie die Nutzung der CoronaWarnApp macht das Fusionkonzept zu einer technokratischen Dystopie, die wir ablehnen. Wir finden es fatal, dass ein vermeintlich (utopisch) linkes Festival hier als Biosecurity-Leuchtturmprojekt im Kulturbereich dienen will und den feuchten Träumen von Eventim und Co zuvorkommt - eine entpolitisierte Bestärkung der Kontroll- und Vermessungsphantasien der kommerziellen Veranstaltungsbranche.

Zugangsberechtigungen auf dem Festival sollen dieses Jahr komplett über die gechipten Bändchen laufen. Auf ihnen ist das Testergebnis gespeichert, so dass an jedem Checkpoint (zwischen Sektorgrenzen) kontrolliert werden kann, ob die Person zugangsberechtigt ist. Zudem soll, wie wir aus internen Kreisen gehört haben, großflächig die CoronaWarnApp zum Einsatz kommen. Menschen, die kein Smartphone besitzen oder nicht bereit sind, sich die App zu installieren, sollen mit einem Handy oder personalisiertem Bluetoothtoken ausgestattet werden. Das Festival wird damit zu einem vollständig überwachten Raum, in dem sämtliche Schlupflöcher und unkontrollierte Bereiche verschwunden sind.

PCR-Tests in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt, da klingeln bei uns die Alarmglocken - auch wenn ihr zum Teil auf sogenannte Pooltestung setzt. Das RKI hat seit Beginn der Pandemie die Ansage an Labore gemacht, dass Proben aufgehoben werden sollen. Aus diesen Proben lässt sich nachträglich ein DNA-Test machen. Wie schon in anderen Veröffentlichungen beschrieben wurde, gibt es viele Labore, die dies aus logistischen Gründen nicht schaffen, andere hingegen verwahren sie tatsächlich für "weitergehende Forschung". Nun hat die Fusion ja vermeldet, dass sie ein eigenes Testlabor einrichtet. Doch selbst, wenn uns "versichert" werden sollte, dass die Proben natürlich sofort nach Analyse vernichtet werden, sehen wir folgende Probleme:

- Die Fusion selber sieht sich als Modellprojekt für zukünftige Festivals. Wäre es nicht möglich, dass das Gesundheitsamt die Genehmigung des Festivals nur erteilt, wenn im Gegenzug die Proben der 30.000 Menschen für ihr eigenes Modellprojekt genutzt werden können? DNA-Screenings auf unterschiedlichste körperliche Merkmale bei einer Testgruppe von 30.000 Menschen sind sicherlich im Zusammenhang mit der Epidemiologie sehr interessant. Wie verhält sich der Kulturkosmos bei so einer Forderung, wenn diese Mitte Juni kommt, wo schon viel Geld in die Vorbereitung geflossen ist?

- Die Crews und auch die Gäste bestehen zu einem nicht unerheblichen Teil aus Menschen mit einem linken bis linksradikalem Hintergrund. Das Ganze ist also ein personalisiertes Massenscreening unserer Szene. Was ist, wenn die Polizei McPomm oder das BKA mit folgender Argumentation die Beschlagnahmung eines Teils der Proben fordert? "Wir haben hier eine DNA-Spur bei jener Straftat - Menschen aus den Kreisen, die wir für tatverantwortlich halten, sind auf dem Weg zur Fusion - wir beschlagnahmen die Proben."

- Die Möglichkeit, dass Leute vielleicht einfach keine DNA-Probe abgeben wollen, weil sie was zu befürchten haben, taucht im Konzept nicht einmal als Erwägung auf.

- Achja, und was ist eigentlich mit Illegalisierten und Menschen ohne Pass? Wie machen die das mit der Personalisierung?

- Die Fusion schreibt in ihren Testrichtlinien: "Alle Insassen eines Autos werden gemeinsam erfasst, um im Falle eines positiven Testergebnisses der gesamten Gruppe als potenzielles Cluster die Zufahrt zum Festival zu versagen." Wollen wir wirklich offenlegen, wer in welchen Bezugsgruppen angereist ist? Ein hochinteressanter Datensatz für Ermittlungsbehörden.


Wir geben allen Kritiker*innen unseres Textes Recht: Niemand MUSS zur Fusion kommen. Doch es geht nicht nur um die Fusion, sondern um die Frage, welche Richtung wir als Linke in der Pandemiebekämpfung unterstützen wollen. Das, was da passiert, wird über kurz oder lang in unseren Zentren und Kneipen ankommen und dann ist Essig mit gesellschaftlicher Teilhabe für Alle. Und es geht noch viel weiter um die gesamtgesellschaftliche Frage, was ein emanzipatorischer Umgang sein kann mit einer Situation, in der wir aufgrund von ökologischem Raubbau mit Zoonosen als permanenter Erscheinung zu tun haben werden. Es wird "nach Corona" kein zurück zum Normalzustand geben. Und ein Zurück vom Ausnahmezustand ist von technokratischer Seite auch gar nicht erwünscht: Die Normalisierung und Einübung von kontrollierter sozialer Distanz als gesellschaftlicher Basis ermöglicht die Abschaffung von (unkontrolliertem) "öffentlichem Raum" - einer Grundvoraussetzung für politisches Handeln.

Die Fortführung dieses Ausnahmezustands (in durchsetzbarer Form) ermöglicht eine Biologisierung des Sozialen; eine immer engmaschigere Grenzziehung von Teilhabemöglichkeiten entlang von gesundheitlichen Merkmalen - von der nationalstaatlichen über die Bundesländer- und Landkreisgrenzen hin zu Kiezen, Wohnblocks und Einzelhaushalten. Der Fixpunkt dieser Entwicklung ist eine Vermessung des gesundheitlichen Risikos auf individueller Ebene und ein darauf gestütztes Bemessen von Beweglichkeit, Kontakt, gesellschaftlicher Partizipation. Gar nicht so weit weg von den Social-Scoring-Systemen in China!

Wir erleben gerade die Transformation vom Recht auf Gesundheit hin zur Verpflichtung zur Gesundheit. Ein solches Regime der biologisierten Sicherheit ermöglicht im verstetigten pandemischen Ausnahmezustand weitergehende soziale Kontrolle, als dies über die "Sicherheit" im permanentisierten Kampf gegen den Terror je begründbar war und ist - in der Pandemie ist jede*r eine potenzielle Gefahr, nicht nur die vermeintliche Gefährder*in.

Die Fusion geht in Sachen gesundheitlicher Individualisierung und Entsolidarisierung sogar noch einen entscheidenden Schritt weiter und stellt Geimpften einen unkomplizierten, testfreien Zugang in Aussicht. Soweit ist bislang nicht einmal die Bundesregierung beim Zuschnitt der (unsinnigen) Ausgangsbeschränkungen gegangen: Was macht es mit einer Gesellschaft, in der Geimpfte anders als Ungeimpfte nachts durch die Gegend spazieren (und auf Parties gehen) können. Geht es nur noch um das individuelle Zugeständnis von Freiheitsrechten derer, die nun keine oder nur noch eine geringere Kontaktgefahr darstellen? Dann wären wir auf dem Niveau der FDP angekommen und hätten die Pille der Biosicherheit bereits geschluckt.

Uns ist es wichtig zu betonen, dass wir das Ganze nicht als Problem der Datenhaltung sehen. Viel zu oft wurde die Auseinandersetzung um digitale Check-Ins auf dieses Problem der vermeintlichen Datensicherheit verkürzt.

Das vorgestellte Festival-Konzept lässt sich nur mit Kontrollen, Checkpoints, Zäunen, Ausschluss, viel Security, Quarantäneanordnungen und Kontaktnachverfolgung in Kooperation mit staatlichen Behörden durchsetzen. Es führt zu einer schleichenden Normalisierung und gesellschaftlicher Akzeptanz technokratisch-autoritärer Maßnahmen gepaart mit einem technologischen Sicherheitsversprechen, welches wir anzweifeln: PCR-Massentests eignen sich nicht, um eine Blase mit einer Virendichte von Null zu erzeugen und aufrecht zu erhalten.

Dieses Sicherheitstheater wäre für sich genommen vielleicht erheiternd, aber es ist die Affirmation eines pandemischen Kontrollregimes als ein vermeintlich notwendiges und gar nicht so schlimmes Zugeständnis. "Unterm Strich" wird aber keine Fusion stehen, "auf der wir auch wirklich so feiern können, wie wir es lieben."

Muss es ein linkes Festival sein, das hier federführend und beispielhaft "voran"schreitet? Will die Fusion sich mit einem solchen 'Testival' zum Vorreiter einer technologisch vermittelten Spaltung in Zonen entlang individualisierter, biosozialer Grenzen machen? Wir finden: Der politische Preis, den wir als radikale Linke für eine Fusion dieser Form zahlen, ist eindeutig zu hoch. Wir fordern daher alle Crews, Gäste und Freund*innen und auch den Kulturkosmos auf: Keine Fusion um jeden Preis!

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Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von Gruen Kern » So 25. Apr 2021, 21:13

An eurem Kerngedanken: "So sollen Festivals in Zukunft nicht aussehen, darum lieber kein Veranstaltung" ist was dran. Eure Argumentation kreist dann um Datensicherheit, später im Text eskaliert ihr, das Problem ist größer als nur Datensicherheit. Aber dann zu sagen, es handelt sich um Entsolidarisierung, wenn Zäune und Impfung und Testung den Zugang zum Fest regeln -- nein, da kann ich nicht folgen. Wegen des kontrollierten Zugangs erinnere ich an die Loveparade und die Verantwortung, die der Kosmos da trägt. Das wäre irgendwann ganz böse aus dem Ruder gelaufen. Bei den coronabedingten Maßnahmen verweise ich auf die Begründung des Kulturkosmos, irgendwer muss es doch versuchen. Kapitulation wäre der einfachere Weg gewesen.

Ich gebe euch zu 100% Recht, dass die Datensicherheit glasklar geregelt werden muss. Alle Proben müssen unmittelbar nach der Testung vernichtet werden.

Vielleicht würde eine Verlegung in den September die ganze Sache erheblich entspannen?
ein liter eiter :mrgreen:

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Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von divergenz » Mo 26. Apr 2021, 08:07

Also wegen DNA-beschlagnahmungs-furcht denke ich mal der C3 der die infrastruktur für die chips stellt wird sich da schon was einfallen lassen - es gibt ja keine notwendigkeit die proben an personendaten zu binden, nur an chips die ja fest um den arm installiert sind ... . Und weil es ja eigene labs sind kann ja einer von uns überwachen dass die proben vernichtet werden.

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Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von Wigoo » Mo 26. Apr 2021, 10:30

Die klauen uns unsere DNA!!11elf :mrgreen: :mrgreen:

Ne, mal ernsthaft: Das ist schon sehr paranoid, spätenstens die Überlegungen zur Polizei.
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Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von DieEnteMedusa » Mo 26. Apr 2021, 11:09

Wigoo hat geschrieben:
Mo 26. Apr 2021, 10:30
Ne, mal ernsthaft: Das ist schon sehr paranoid, spätenstens die Überlegungen zur Polizei.
Nachdem die Polizei bereits in mehreren Städten die Listen in Geschäften, Restaurants, etc. konfisziert hat, halte ich das nicht für abwegig, und schon gar nicht für paranoid.


https://www.tagesschau.de/inland/corona ... i-103.html
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Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von team-bassliner » Mo 26. Apr 2021, 13:26

Aber es geht hier ja um den Satz:

"Wir haben hier eine DNA-Spur bei jener Straftat - Menschen aus den Kreisen, die wir für tatverantwortlich halten, sind auf dem Weg zur Fusion - wir beschlagnahmen die Proben."

Also es geht hier nicht um Kontaktlisten, die beschlagnahmt werden, sondern darum, dass angeblich quasi per "Gefahr in Verzug" (oder wie sonst?) 35.000 DNA Proben beschlagnahmt werden könnten. Das ist schon krass paranoid und wäre komplett rechtswidrig. So rechtswidrig, dass noch nie etwas auch nur annähernd vergleichbares vorgekommen wäre in der Geschichte der Bundesrepublik.

Zur Erinnerung:

DNA-Reihenuntersuchung

Für den Massen-DNA-Test, d.h. DNA-Untersuchungen an Personen, die einer bestimmten abgrenzbaren Gruppe angehören, gelten folgende Voraussetzungen:

Verdacht eines Verbrechens gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder die sexuelle Selbstbestimmung einer Person,
schriftliche Einwilligung des Betroffenen und richterlicher Beschluss.

Das bedeutet, dass niemand verpflichtet ist, sich einem solchen DNA-Test zu unterziehen. Man sollte immer bedenken, dass zunächst sämtliche Daten gespeichert werden. Begründen jedoch bestimmte Tatsachen den Verdacht, dass eine Person die Straftat begangen hat, so kann die DNA-Untersuchung zwangsweise, d.h. nach § 81a StPO, angeordnet werden.

Das heißt:
Ein:e Richter:in müsste hier nach vorhergehender Personalienfeststellung 35.000 offensichtlich rechtswidrige Einzelanordnungen (geht nicht kollektiv!) gegen jede Person, die eine DNA-Probe abgeben hat, Verfassen und nach § 81a StPO begründen, warum genau die Person verdächtig ist, die Straftat begangen zu haben. (Hinweis: Es gibt 308 Richter:Innen in MV) Wohlgemerkt: ohne das die Person vorher die Möglichkeit hatte freiwillig DNA abzugeben - selbst das geht schon nicht. Letztlich wäre das rechtlich exakt so zu bewerten und auch durchzuführen, als würde die Polizei das Festivalgelände absperren und eine DNA-Reihentestung an ALLEN Gästen per Zwang durchführen. Selbst bei wirklich schwersten Straftaten wie einem Amoklauf gibt es keinerlei Präzedenz, dass der BRD-Rechtsstaat so ein vorgehen (zwangsweise DNA-Analyse 30.000 nicht konkret beschuldigter Bürger:innen) erlauben würde.

Also doch: das ist schon ziemlich, ziemlich paranoid. Dazu kommt, dass der Kulturkosmos nicht verpflichtet ist Problem überhaupt aufzubewahren und das sicherlich auch nicht tun wird. Die Lektüre der Strangeröffner mag sicherlich Punkte ansprechen, die beachtet werden müssen. Sie hat aber eklatante Schwächen und ist in ihren Schlüssen entsprechend mit viel Vorsicht zu genießen.

zinnlos
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Registriert: Mo 26. Apr 2021, 23:51

Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von zinnlos » Di 27. Apr 2021, 02:23

ich arbeite seit ein paar jahren auf der fusion in einer kleinen crew und ich hätte ein paar fragen zu euerm text:
"Der Schutz von Infektionen und damit einhergehende Maßnahmen basieren in Deutschland nicht nur auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern sind zunehmend Spielball politischer Abwägungen und von Interessenskonflikten. In Deutschland können während der Pandemie Waffen und Autos produziert werden, laufen Großraumbüros weiter als sei nichts passiert, werden auf Druck der Wirtschaft Lockerungen umgesetzt, auch wenn diese der Bekämpfung der Pandemie entgegenlaufen."

In der obigen Analyse sind wir uns mit dem Kulturkosmos weitestgehend einig. Auch wir kritisieren die bisherige Pandemiepolitik, ohne uns dabei mit rechten Coronaleugner*innen gemein zu machen. Auch wir würden gerne mal wieder feiern und haben uns als langjährige Fusionist*innen, sowohl als Gäste als auch als Crew, auf die Fusion gefreut.

Hier hören die Gemeinsamkeiten leider auf. Schon in den letzten Jahren hat die Fusion immer wieder den Spagat geübt zwischen kapitalistischem Event und linker Utopie. Rigide Einlasspolitik, Zäune noch und nöcher und auch ein vielschichtiges Klassensystem im Backstage haben uns immer wieder am linken Anspruch zweifeln lassen. Einige Crews haben deswegen die Fusion ja auch verlassen...
in einer turbokapitalistischen welt ist der spagat "zwischen kapitalistischem Event und linker Utopie" bei einer (groß)veranstaltung schon sehr viel wert. wie würdet ihr es anders machen? "ein vielschichtiges Klassensystem im Backstage" - eine behauptung bzw. eure interpretation. bei tausenden crewleuten gibt es nachvollziehbar mehrere backstages. wie definiert ihr hier die "klassen" abgesehen von ratatouille in backstage x vs. chili sin carne in backstage y?

Auch wir halten Kultur für relevant, aber wir wollen keine Fusion um jeden (gesellschaftspolitischen) Preis.


Das diesjährige Corona-Konzept der Fusion inklusive personalisierter Testung und digitaler Kontaktverfolgung ist für uns ein offener Bruch - mehr als nur eine hinnehmbare Steigerung von Kontroll-Optimierungs-Entwicklungen, die wir die letzten Jahre schon beobachten konnten. Eine Teilnahme basierend auf PCR-Tests sowie die Nutzung der CoronaWarnApp macht das Fusionkonzept zu einer technokratischen Dystopie, die wir ablehnen. Wir finden es fatal, dass ein vermeintlich (utopisch) linkes Festival hier als Biosecurity-Leuchtturmprojekt im Kulturbereich dienen will und den feuchten Träumen von Eventim und Co zuvorkommt - eine entpolitisierte Bestärkung der Kontroll- und Vermessungsphantasien der kommerziellen Veranstaltungsbranche.
welche "Kontroll-Optimierungs-Entwicklungen" habt ihr beobachtet?
pcr-tests und cwa sind abgesehen von #stayathome, aha und impfungen die effektivsten mittel gegen die pandemie. eine "Dystopie, die wir ablehnen" klingt schon stark nach quer gedacht. meint ihr das so?
was sind die "feuchten Träumen von Eventim und Co" bzw. deren "Kontroll- und Vermessungsphantasien" ?
Zugangsberechtigungen auf dem Festival sollen dieses Jahr komplett über die gechipten Bändchen laufen. Auf ihnen ist das Testergebnis gespeichert, so dass an jedem Checkpoint (zwischen Sektorgrenzen) kontrolliert werden kann, ob die Person zugangsberechtigt ist. Zudem soll, wie wir aus internen Kreisen gehört haben, großflächig die CoronaWarnApp zum Einsatz kommen. Menschen, die kein Smartphone besitzen oder nicht bereit sind, sich die App zu installieren, sollen mit einem Handy oder personalisiertem Bluetoothtoken ausgestattet werden. Das Festival wird damit zu einem vollständig überwachten Raum, in dem sämtliche Schlupflöcher und unkontrollierte Bereiche verschwunden sind.
warum sollte man in zeiten einer pandemie, nicht regelmäßig flächendeckend kontrollieren, wenn es der gesundheit aller dient?
wahrscheinlich wird doch nicht das testergebnis auf den chips gespeichert sondern eine user id. da die fusion seit jahren viel mit dem ccc zusammen arbeitet, wird man ohne datenbankzugang damit nicht viel anfangen können. im testkonzept wird die nutzung der cwa empfohlen, nicht vorgeschrieben. die app funktionert dezentral und anonym, seit letztem wochenende endlich auch mit check-in funktion. von einem "vollständig überwachten Raum" zu reden ist polemik. und warum haltet ihr es nicht für erstrebenswert, dem virus "sämtliche Schlupflöcher und unkontrollierte Bereiche" zu entziehen?
PCR-Tests in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt, da klingeln bei uns die Alarmglocken - auch wenn ihr zum Teil auf sogenannte Pooltestung setzt. Das RKI hat seit Beginn der Pandemie die Ansage an Labore gemacht, dass Proben aufgehoben werden sollen. Aus diesen Proben lässt sich nachträglich ein DNA-Test machen. Wie schon in anderen Veröffentlichungen beschrieben wurde, gibt es viele Labore, die dies aus logistischen Gründen nicht schaffen, andere hingegen verwahren sie tatsächlich für "weitergehende Forschung". Nun hat die Fusion ja vermeldet, dass sie ein eigenes Testlabor einrichtet. Doch selbst, wenn uns "versichert" werden sollte, dass die Proben natürlich sofort nach Analyse vernichtet werden, sehen wir folgende Probleme:

- Die Fusion selber sieht sich als Modellprojekt für zukünftige Festivals. Wäre es nicht möglich, dass das Gesundheitsamt die Genehmigung des Festivals nur erteilt, wenn im Gegenzug die Proben der 30.000 Menschen für ihr eigenes Modellprojekt genutzt werden können? DNA-Screenings auf unterschiedlichste körperliche Merkmale bei einer Testgruppe von 30.000 Menschen sind sicherlich im Zusammenhang mit der Epidemiologie sehr interessant. Wie verhält sich der Kulturkosmos bei so einer Forderung, wenn diese Mitte Juni kommt, wo schon viel Geld in die Vorbereitung geflossen ist?
das rki möchte von den laboren randomisierte und pseudonomisierte proben für sequenzierungen. ist euer ansatz hier schon eine verschwörungstheorie?
zu den rechtlichen voraussetzungen von dna proben steht ja oben schon alles.

- Die Crews und auch die Gäste bestehen zu einem nicht unerheblichen Teil aus Menschen mit einem linken bis linksradikalem Hintergrund. Das Ganze ist also ein personalisiertes Massenscreening unserer Szene. Was ist, wenn die Polizei McPomm oder das BKA mit folgender Argumentation die Beschlagnahmung eines Teils der Proben fordert? "Wir haben hier eine DNA-Spur bei jener Straftat - Menschen aus den Kreisen, die wir für tatverantwortlich halten, sind auf dem Weg zur Fusion - wir beschlagnahmen die Proben."
glaubt ihr wirklich, dass der kulturkosmos und die anderen crews, eben weil sie aus diesen zusammenhängen kommen, nicht extrem sensibilisiert sind?
selbst, wenn eine behörde die proben beschlagnahmen könnte, würde sie dazu auch die passende unverschlüsselte datenbank benötigen, was man leicht verhindern kann. im übrigen leben wir in einem staat, dessen ämter noch immer am liebsten per fax kommunizieren.
- Die Möglichkeit, dass Leute vielleicht einfach keine DNA-Probe abgeben wollen, weil sie was zu befürchten haben, taucht im Konzept nicht einmal als Erwägung auf.

- Achja, und was ist eigentlich mit Illegalisierten und Menschen ohne Pass? Wie machen die das mit der Personalisierung?
das konzept führt auf, was man für die durchführung benötigt. haltet ihr die menschen für so dumm, dass sie daraus nicht ableiten können, ob sie teilnehmen können oder wollen? in den letzten jahren haben freunde von mir immer eine lösung mit der fusion finden können für ihre anliegen. trotzdem steht 2021 die gesundheit aller beteiligten und die eindämmung des virus über dem menschrecht auf raven.

- Die Fusion schreibt in ihren Testrichtlinien: "Alle Insassen eines Autos werden gemeinsam erfasst, um im Falle eines positiven Testergebnisses der gesamten Gruppe als potenzielles Cluster die Zufahrt zum Festival zu versagen." Wollen wir wirklich offenlegen, wer in welchen Bezugsgruppen angereist ist? Ein hochinteressanter Datensatz für Ermittlungsbehörden.
bewegungsprofile können auch ohne fusion erstellt werden.
ist der transparente umgang mit den einzelheiten nicht eher lobenswert für diejenigen personen, die keine bezugsgruppen offenlegen wollen?
Wir geben allen Kritiker*innen unseres Textes Recht: Niemand MUSS zur Fusion kommen. Doch es geht nicht nur um die Fusion, sondern um die Frage, welche Richtung wir als Linke in der Pandemiebekämpfung unterstützen wollen. Das, was da passiert, wird über kurz oder lang in unseren Zentren und Kneipen ankommen und dann ist Essig mit gesellschaftlicher Teilhabe für Alle. Und es geht noch viel weiter um die gesamtgesellschaftliche Frage, was ein emanzipatorischer Umgang sein kann mit einer Situation, in der wir aufgrund von ökologischem Raubbau mit Zoonosen als permanenter Erscheinung zu tun haben werden. Es wird "nach Corona" kein zurück zum Normalzustand geben. Und ein Zurück vom Ausnahmezustand ist von technokratischer Seite auch gar nicht erwünscht: Die Normalisierung und Einübung von kontrollierter sozialer Distanz als gesellschaftlicher Basis ermöglicht die Abschaffung von (unkontrolliertem) "öffentlichem Raum" - einer Grundvoraussetzung für politisches Handeln.

Die Fortführung dieses Ausnahmezustands (in durchsetzbarer Form) ermöglicht eine Biologisierung des Sozialen; eine immer engmaschigere Grenzziehung von Teilhabemöglichkeiten entlang von gesundheitlichen Merkmalen - von der nationalstaatlichen über die Bundesländer- und Landkreisgrenzen hin zu Kiezen, Wohnblocks und Einzelhaushalten. Der Fixpunkt dieser Entwicklung ist eine Vermessung des gesundheitlichen Risikos auf individueller Ebene und ein darauf gestütztes Bemessen von Beweglichkeit, Kontakt, gesellschaftlicher Partizipation. Gar nicht so weit weg von den Social-Scoring-Systemen in China!
hier verliert ihr euch eindeutig in geschwurbel, oder?
Wir erleben gerade die Transformation vom Recht auf Gesundheit hin zur Verpflichtung zur Gesundheit. Ein solches Regime der biologisierten Sicherheit ermöglicht im verstetigten pandemischen Ausnahmezustand weitergehende soziale Kontrolle, als dies über die "Sicherheit" im permanentisierten Kampf gegen den Terror je begründbar war und ist - in der Pandemie ist jede*r eine potenzielle Gefahr, nicht nur die vermeintliche Gefährder*in.
ist das euer ernst? woran lässt sich die "Verpflichtung zur Gesundheit" erkennen? selbst der großteil der linken&linksradikalen akteure in deutschland befürwortet ein schnelles ende der pandemie durch wissenschaftlich fundierte, efiziente maßnamen. wie soll sich euer geschwurbel mit der kritik an der vermeidbaren inkaufnahme von toten und der gezielte überlastung des medizinischen sektors in einklang bringen?
Die Fusion geht in Sachen gesundheitlicher Individualisierung und Entsolidarisierung sogar noch einen entscheidenden Schritt weiter und stellt Geimpften einen unkomplizierten, testfreien Zugang in Aussicht. Soweit ist bislang nicht einmal die Bundesregierung beim Zuschnitt der (unsinnigen) Ausgangsbeschränkungen gegangen: Was macht es mit einer Gesellschaft, in der Geimpfte anders als Ungeimpfte nachts durch die Gegend spazieren (und auf Parties gehen) können. Geht es nur noch um das individuelle Zugeständnis von Freiheitsrechten derer, die nun keine oder nur noch eine geringere Kontaktgefahr darstellen? Dann wären wir auf dem Niveau der FDP angekommen und hätten die Pille der Biosicherheit bereits geschluckt.
warum sollten geimpfte getestet werden, wenn nach aktuellem stand, eine übertragung ausgeschlossen ist? eure herangehensweise verlangt keine solidarität, sondern ein vermeiden von neidreflexen.
Uns ist es wichtig zu betonen, dass wir das Ganze nicht als Problem der Datenhaltung sehen. Viel zu oft wurde die Auseinandersetzung um digitale Check-Ins auf dieses Problem der vermeintlichen Datensicherheit verkürzt.

Das vorgestellte Festival-Konzept lässt sich nur mit Kontrollen, Checkpoints, Zäunen, Ausschluss, viel Security, Quarantäneanordnungen und Kontaktnachverfolgung in Kooperation mit staatlichen Behörden durchsetzen. Es führt zu einer schleichenden Normalisierung und gesellschaftlicher Akzeptanz technokratisch-autoritärer Maßnahmen gepaart mit einem technologischen Sicherheitsversprechen, welches wir anzweifeln: PCR-Massentests eignen sich nicht, um eine Blase mit einer Virendichte von Null zu erzeugen und aufrecht zu erhalten.
es ist nahezu ausgeschlossen, falsch negative ergebnisse durch pcr tests zu bekommen. dadurch ist eine massentestung mit wiederhohlung ein lobenswertes modellprojekt mit einem sicherheitsversprechen, dass sich viele wünschen würden, selbst wenn es nicht 100%ig ist.
"schleichenden Normalisierung und gesellschaftlicher Akzeptanz technokratisch-autoritärer Maßnahmen" - in welcher welt (bzw. telegram-gruppe) lebt ihr?
Dieses Sicherheitstheater wäre für sich genommen vielleicht erheiternd, aber es ist die Affirmation eines pandemischen Kontrollregimes als ein vermeintlich notwendiges und gar nicht so schlimmes Zugeständnis. "Unterm Strich" wird aber keine Fusion stehen, "auf der wir auch wirklich so feiern können, wie wir es lieben."
andere würden gern feiern, auch unter den umständen.
Muss es ein linkes Festival sein, das hier federführend und beispielhaft "voran"schreitet? Will die Fusion sich mit einem solchen 'Testival' zum Vorreiter einer technologisch vermittelten Spaltung in Zonen entlang individualisierter, biosozialer Grenzen machen? Wir finden: Der politische Preis, den wir als radikale Linke für eine Fusion dieser Form zahlen, ist eindeutig zu hoch. Wir fordern daher alle Crews, Gäste und Freund*innen und auch den Kulturkosmos auf: Keine Fusion um jeden Preis!
wenn die inzidenz niedrig sein sollte, ist das konzept wegweisend für die kultur. und von den einnahmen bei der fusion leben unzählige crews und ihre projekte, die das leben in diesem land wesentlich lebenswerter machen. die aktuelle technologie kann dafür verantwortungsbewusst eingesetzt werden. der "poltische Preis" wäre ein baustein für einen weg aus der krise und ein leben mit dem virus.

Benjamin_W
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Registriert: Di 27. Apr 2021, 11:54

Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von Benjamin_W » Di 27. Apr 2021, 12:03

> Das diesjährige Corona-Konzept der Fusion inklusive personalisierter Testung und digitaler Kontaktverfolgung ist für uns ein offener Bruch - mehr als nur eine hinnehmbare Steigerung von Kontroll-Optimierungs-Entwicklungen, die wir die letzten Jahre schon beobachten konnten. […] Eine Teilnahme basierend auf PCR-Tests sowie die Nutzung der CoronaWarnApp macht das Fusionkonzept zu einer technokratischen Dystopie, die wir ablehnen.
Im Konzept steht groß und klar: Corona-Warn-App wird _empfohlen_, nicht erzwungen.
Stattdessen steht klar im Konzept, warum digitale Kontaktverfolgung keinen Sinn macht. Zitat aus dem Konzept, das ihr offenbar nicht gelesen habt:
"Die übliche Fusion-Besucher:in bewegt sich in einer Gruppe über das Gelände und hält an unterschiedlichen Open-Air-Bühnen für unbestimmte Dauer an. Die beschallten Aufenthalts- und Tanzbereiche sind dabei besonders weitläufig. Manuelle Check-in-Systeme werden der Dynamik eines Open-Air-Festivalverlaufs grundsätzlich nicht gerecht: Nicht nur sind die ortsbezogenen Daten schwer zu erfassen, sie sind aufgrund der Größe der Bereiche für die Alarmierung von Personen wenig sinnvoll.

Automatisierte Systeme, die ortsunabhängig Abstand und Dauer der Kontakte erfassen, sind hingegen sehr gut geeignet, Risiko-Kontakte zu identifizieren und trennscharf von epidemiologisch nicht relevanten Kontakten zu unterscheiden.

Wir werden daher unseren Besucher:innen die Nutzung der offiziellen "Corona-Warn–App" des Robert-Koch-Institutes empfehlen."
Weiter geht es mit eurem Erguss:
> Biosecurity-Leuchtturmprojekt
> feuchten Träumen von Eventim und Co
> Kontroll- und Vermessungsphantasien der kommerziellen Veranstaltungsbranche.

> Zugangsberechtigungen auf dem Festival sollen dieses Jahr komplett über die gechipten Bändchen laufen.
> Auf ihnen ist das Testergebnis gespeichert
Das Ergebnis ist NICHT auf den Chips gespeichert.
Das Bändchen hat eine pseudonyme ID.
Die Testergebnisse sind zu der pseudonymen ID gespeichert.
Steht im Konzept auch gut beschrieben.
> Menschen, die kein Smartphone besitzen oder nicht bereit sind, sich die App zu installieren, sollen mit einem Handy oder personalisiertem Bluetoothtoken ausgestattet werden.
Unsinn. Wo steht das?
Abgesehen davon funktioniert so etwas auch nicht.
Und im Konzept steht auch, dass Contact Tracing keinen Sinn macht.
Was solld as?
> Das RKI hat seit Beginn der Pandemie die Ansage an Labore gemacht, dass Proben aufgehoben werden sollen. Aus diesen Proben lässt sich nachträglich ein DNA-Test machen.
Yeah, der goldene Aluhut!
Wahrscheinlich hat der Kuko nichts anderes zu tun, als 140.000 Wattestäbchen sortiert aufzubewahren.
Im Übrigen: Da die Proben nicht mit Personen verbunden sind, würden DNA-Test auch nichts bringen.
Auf dieser relativ wahnwitzigen Überlegung fußt der Rest des Textes. Leider nehmt ihr das schon als gegeben an. Dadurch wird auch der Rest so irrwitzig:
> Wäre es nicht möglich, dass das Gesundheitsamt die Genehmigung des Festivals nur erteilt, wenn im Gegenzug die Proben der 30.000 Menschen für ihr eigenes Modellprojekt genutzt werden können?
Wäre es nicht möglich, dass der Kulturkosmos von dem Fall einfach die Anmeldung zurük zieht?
Oder gegen einen solchen verfassungsrechtlichen Skandal klagt?
> DNA-Screenings
Meine Güte.
Im weiteren Verlauf des Textes wird die Fantasie von DNA-Screenings von der theoretischen Möglichkeit zur Gegebenheit erklärt. Das ist der fundamentale Fehlschluss dieses Textes.
Wenn Antwort einfach "die Proben werden vernichtet" lautet, hat sich der komplette Text erledigt.
> Was ist, wenn die Polizei McPomm oder das BKA mit folgender Argumentation die Beschlagnahmung eines Teils der Proben fordert?
Wenn Antwort einfach "die Proben werden vernichtet" lautet, hat sich der komplette Text erledigt.
> - Die Möglichkeit, dass Leute vielleicht einfach keine DNA-Probe abgeben wollen, weil sie was zu befürchten haben, taucht im Konzept nicht einmal als Erwägung auf.
Es geht nicht um eine DNA-Probe. Wer Angst hat, dass die Speichelprobe nach dem PCR-Test nicht vernichtet wird, kann doch gern zusehen wie das geschieht. Ich würde mir an eurer Stelle mehr Gedanken über die DNA.Proben machen, die ihr an euren Zieh-Röhrchen und Geldscheinen hinterlasst.
>
- Achja, und was ist eigentlich mit Illegalisierten und Menschen ohne Pass? Wie machen die das mit der Personalisierung?
Leude, ihr beschwert euch etwas weiter oben selbst über die pseudonymen "gechipten" Bändchen.
Jetzt ist auf einmal wieder alles personalisiert?
> Wollen wir wirklich offenlegen, wer in welchen Bezugsgruppen angereist ist? Ein hochinteressanter Datensatz für Ermittlungsbehörden.
Diese Cluster-Daten müssen doch überhaupt nicht personalisiert erfasst werden.
Ihr stellt euch irgendeine hochdigitale DNA-Lösung vor.
Stattdessen lässt sich der größere Teil ganz einfach mit Papier und Bleistift machen, ohne dass alle möglichen Daten "für die Polizei" gesammelt werden.
> Niemand MUSS zur Fusion kommen.
Dann lasst es doch :)
> eine immer engmaschigere Grenzziehung von Teilhabemöglichkeiten entlang von gesundheitlichen Merkmalen
Ah, euer Gegenvorschlag ist also eine corona-positive Fusion?
> Wir erleben gerade die Transformation vom Recht auf Gesundheit hin zur Verpflichtung zur Gesundheit.
Das ist Unsinn. Ihr erlebt, dass ihr nicht wegen eurer DNA-Paranoia ungestört andere Menschen infizieren dürft. Und dass man euch nicht dabei haben will, wenn ihr das enrsthaft beabssichtigt.
> und stellt Geimpften einen unkomplizierten, testfreien Zugang in Aussicht. Soweit ist bislang nicht einmal die Bundesregierung beim Zuschnitt der (unsinnigen) Ausgangsbeschränkungen gegangen:
Im Text steht: "Wir werden anerkannte Impfnachweise beim Einlass berücksichtigen, sofern wissenschaftlich erwiesen und offiziell anerkannt ist, dass von Geimpften keine Ansteckungsgefahr ausgeht."

Das ist schon heute nicht der Fall und damit hat sich das auch erledigt.

Fazit:
Von eurem Dystopie-Bild bleibt irgendwie wenig übrig, wenn man sich mal mit den Fakten auseinander setzt.
Grundsätzlich kann ich aber die Sorge verstehen und finde es super, dass der KuKo genau diesen Sorgen im Konzept auch schon begegnet ist!

Es wäre wirklich schön gewesen, wenn ihr das Konzept wenigstens gelesen hättet und euch die Mühe gemacht hättet, euch mal darüber Gedanken zu machen, wie man eurer Angst vor DNA-Massentests oder Impfzwang begegnen kann.
Das ist ja unterm Strich ziemlich einfach. Zumindest einfacher, als wochenlang an so einem Text zu schreiben, der am Ende allen so peinlich ist, dass sie nicht einmal ihren Namen drunterschreiben.

rauchhaus
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Registriert: Mi 4. Jul 2018, 19:47

Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von rauchhaus » Di 27. Apr 2021, 12:32

Hier wurde ja schon sehr viel gesagt und (richtigerweise) kontextualisiert, weitergedacht und entkräftet. Auch wenn man das an einigen Stellen etwas netter hätte formulieren können - dennoch stark, dass Halbwahrheiten und dystopischen Verwschörungen hier vernünftig widersprochen wird!



Hierzu möchte ich noch etwas anmerken:
capu-friends hat geschrieben:
So 25. Apr 2021, 18:21
[...]

- Die Fusion schreibt in ihren Testrichtlinien: "Alle Insassen eines Autos werden gemeinsam erfasst, um im Falle eines positiven Testergebnisses der gesamten Gruppe als potenzielles Cluster die Zufahrt zum Festival zu versagen." Wollen wir wirklich offenlegen, wer in welchen Bezugsgruppen angereist ist? Ein hochinteressanter Datensatz für Ermittlungsbehörden.


[...]

Wer ein Handy in der Tasche hat, ist davon doch schon längst betroffen.

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass vor allem derzeit sehr viele paranoide Gedanken aufkommen und man verunsichert ist. Fakt ist allerdings, dass viele davon auf Halbwahrheiten, Fehlinformation oder schlicht Unwissen beruhen.



Ihr habt ja mit einigen Ängsten und Punkten gar nicht so unrecht. Und es ist auch wichtig, dass man Fragen stellt und genau hinschaut. Allerdings sollte man sich, bevor man laut wird, genau informieren, dass das auch so stimmt.

Tanzbar
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Registriert: Mi 8. Mai 2019, 04:22

Re: Offener Brief an die Fusion und ihre Crews!

Beitrag von Tanzbar » Di 27. Apr 2021, 13:48

@rauchhaus:

Wenn es hier auch nicht ganz zum Thema gehört:

Die Ueberwachung der Handy's von Fusion-Besucher:innen ist eh sehr einfach.
Da das örtliche Funknetz keine Kapazität hat, die 35K bis 80 K Handy's die während dem Festival
vor Ort sind zu bewirtschaften, werden schon seit Jahren extra Funkzellen aufgebaut.
Die stehen gut sichtbar beim Flugplatzgebäude.
Da dann fast alle Fusion-Besucher:innen dort eingeloggt sind ist es auch sehr einfach das als ganze
Gruppe auszuwerten.
Ich gehe davon aus, dass sich einige Behörden es nicht nehmen lassen werden dies auch zu tun.
Vorallem in der Auf- und Abbauphase, wenn die Crews am arbeiten sind.
Mobilfunk halt, mit seinen schönen aber auch dunkeln Seiten....
Zuletzt geändert von Tanzbar am Mi 28. Apr 2021, 02:38, insgesamt 1-mal geändert.

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