Sehr Komplizierte aber interessante Frage. Um es mal vorab zu sagen: die Fusion besteht zu 100 % aus Arbeiter:innen. ( Sorry es ging nicht kürzer

und eh ich kann das auch nicht auf englisch schreiben
Ich glaube du sitzt einem falschen Verständnis von den Arbeiter:innen auf. Was sind Arbeiter:innen ? Arbeiter:innen sind alle, welche gezwungen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen, da sie nicht über Eigentum an Produktionsmitteln ( vor allem also Kapital) verfügen, um ihr Leben zu reproduzieren, und daher entweder "ihre Haut zu Markte - dem Arbeitsmarkte- tragen müssen", sprich also alle die von 18 bzw. 30 bis 70 malochen müssen, oder aber Almosen sprich Hartz 4 oder Asylbewerberleistungen etc. pp beziehen, die sich also für den Arbeitsmarkt bereit halten müssen. Dazu gehören natürlich auch die bedeutend große Zahl von Akademiker:innen, genauso wie diejenigen die bspw. nur über einen Real- oder Hauptschulabschluss verfügen / 99% unserer Gesellschaft . Der Gegensatz den du aufmachst spielt sich also in Wahrheit innerhalb des Spektrums der Arbeiter:innen ab und betrifft die Arbeitsteilung. Innerhalb der - wenn man so will - Arbeiterinnenklasse - gibt es nähmlich eine Arbeitsteilung zwischen praktischer ausführender Tätigkeit und theoretischer planender Tätigkeit - früher hat man dazu Hand und Kopfarbeit gesagt, und wenn es den im Spektrum der Arbeiter:innen gibt, dann durchzieht sie natürlich die gesamte Gesellschaft.
Zunächst mal muss man sich klarmachen, das die Trennung von geistiger und körperlicher Arbeit nicht naturgegeben, sondern historisch entstanden ist. Erst unsere Gesellschaftsordnung - die kapitalistische - treibt diese Entwicklung auf die Spitze, indem sie die Arbeiter:innen nähmlich bis ins extrem in geistige und manuelle Arbeit einteilt, den in Wirklchkeit - nach einer emanzipativen auffassung von tätigkeit - sollte der Mensch eigentlich immer beides machen, um sein Leben selbstbestimmt zu verwirklichen. Der gute alte Karl Marx spricht da von Entfremdung. Ein Tischler macht sich einen Plan welchen Tisch er schön findet und baut ihn dann - dann verwirklicht er oder sie sich selbst in der Arbeit bzw. Tätigkeit zusammen mit dem Naturmaterial, dem Holz bspw., und am Ende kommt ein Tisch raus, auf dem er Brause trinken oder auch Musik machen kann, je nachdem was er oder sie will, den der Tisch gehört ihm oder ihr. Wenn er nur Tische baut (ohne zu planen) oder wohl besser nur Tischbeine oder nur Holzlatten aus denen Tischbeine werden im Massenakkord herstellt, ohne je daran beteiligt zu sein, wie der Tisch aussieht, welche Form und Höhe, welches design er hat, ist seine Arbeit enfremdet. Gleiches gilt natürlich auch für den Ingenieur in der Ikeafabrik der nur über die Farbe des Tisches bestimmt, oder über Entwürfe brütet wie welche Form der Tisch nun hat ( rund,eckig etc.) aber nie den Tisch selber herstellt oder auch nicht bestimmen kann, welcher seiner Entwürfe nun angenommen wird, denn das macht das management, geschweige den das ihm der Tisch gehört über den er oder sie so lange nachgebrütet hat. Dementsprechend ist auch die Arbeit des Ingenieurs entfremdt. Um es mal kurz zu machen, der gute alte Karl Marx meinte, das man erst dann ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben führt, wenn man beides tut, geistige und manuelle Arbeit bzw. Tätigkeit (" morgends Pflanzen anbauen, nach dem Mittag philosophieren, abends musik machen oder hören), da die radikale Trennung von geistiger und manueller Arbeit zu einer entweder geistigen oder praktischen Verarmung des Individuums führt - sie entmenschlicht.
Aber da unsere Gesellschaftsform die Trennung von geistiger und manueller Arbeit nun mal auf die Spitze treibt steht derzeit kein Individum ausserhalb dieser Arbeitsteilung. Was hat das für Auswirkungen, vor allem auf die Arbeiter:innen selbst ? Wie bereits gesagt führt dies zu einer Verarmung des Individuums - mal salopp gesagt, eine Handarbeiter:in soll nicht denken, lesen etc und eine Kopfarbeiter:in soll nicht handeln, nicht produzieren, nichts herstellen. Das ist der eine Punkt.
Der andere Punkt ist, das dies zu einer Spaltung oder Trennung der Arbeiter:innen führt, und das beide Typen von Arbeit also geistige und manuelle Arbeit jetzt meinen das Problem der Ausbeutung steckt in der jeweils anderen Art von Arbeit anstatt bspw. im Kapital oder das sie sehen das geistige und manuelle Tätigkeit doch eigentlich zusammengehören. Die Handarbeiter:innen meinen Schuld an der Ausbeutung seien die geistigen Arbeiter:innen und betreiben mal salopp gesagt " verkürzte Kapitalismuskritik". Der Handel, die Buchhaltung, die Politiker:innen, die Schreiberlinge, die Finanzexperten, die Philosophen, die Pfaffen, die Akademiker:innen etc pp also alle die von geistiger Arbeit leben aber nichts herstellen sind schuld an der Misere. Und was machen die Kopfarbeiter:innen ? Sie meinen tatsächlich ihre gedankliche Arbeit sei der körperlichen Arbeit überlegen, ganz prominent z. B. in der Politik, obwohl sie offenichtlich nicht überleben könnten, wenn die manuellen Arbeiter:innen ihnen nicht durch körperliche Arbeit die lebensmittel verschaffen würden. Marx drückt das so aus: "Die Teilung der Arbeit wird erst wirklich Teilung von dem Augenblicke an, wo eine Teilung der materiellen und geistigen Arbeit eintritt. Von diesem Augenblicke an kann sich das Bewußtsein wirklich einbilden, etwas Andres als das Bewußtsein der bestehenden Praxis zu sein, wirklich etwas vorzustellen, ohne etwas Wirkliches vorzustellen – von diesem Augenblicke an ist das Bewußtsein Imstande, sich von der Welt zu emanzipieren und zur Bildung der »reinen« Theorie, Theologie, Philosophie, Moral etc. überzugehen....." ( Die deutsche Ideologie). Das heißt nach Marx ist dies die Geburtsstunde der Ideologie - die geistigen Arbeiterinnen werden Ideologen und leben in einer fiktiven Universalität - der Herrschaft von Gedanken über das Handeln.
Aber wie bereits oben gesagt, in Wirklichkeit sind beide Typen von Arbeit aber auch wiederum nicht entgegengesetzt, sowohl vom menschlichem Standpunkt ( geistige und manuelle Arbeit gehören zusammen) als auch vom Standpunkt der Ausbeutung, da alle Arbeiter:innen - ob sie nun geistige oder körperliche Arbeit betreiben - oder von Almosen leben nun mal ihr Leben lang malochen müssen bzw. sich dazu bereit halten müssen. Ich glaube das sollte man betonen, wenn man diese radikale Trennung überwinden, aufheben oder abmildern möchte. Sorry, das ist alles ziemlich oberflächlich, da die Frage sher kompliziert ist : (
"Verschaffe dir Wissen, Frierender! Hungriger Mensch, greif nach dem Buch, es ist eine Waffe." B. Brecht